In diesem Artikel stelle ich euch das 3D Druckverfahren Multi Jet Fusion etwas genauer vor. Es besticht durch seine hohe Baugeschwindigkeit, einen guten Detailgrad und seiner Kosteneffizienz. Natürlich hat es, wie andere Verfahren auch, seine ganz speziellen Eigenschaften und Einsatzbereiche, die ich euch zusätzlich zum Artikel auch in einem Video zeige. 

Multi Jet Fusion ist ein von HP entwickeltes pulverbasiertes Druckverfahren, mit dem in relativ kurzer Zeit sehr detailgetreue Drucke mit hoher Stabilität möglich sind. Das Verfahren gibt es erst seit 2016 und im Vergleich zum FDM-Verfahren sind bei Multi Jet Fusion keine Druck-Schichten im fertigen Objekt zu erkennen. 

Wie funktioniert MJF?

Bei diesem Verfahren trägt ein Druckkopf in jeder Sekunde Millionen kleinster Tröpfchen einer wärmeleitenden Flüssigkeit – den sog. „Fusing Agent“ – auf ein Pulverbett auf. Durch Bestrahlung mit UV-Licht schmelzen die behandelten Bereiche zusammen und härten aus. Damit Konturen nicht verlaufen und Geometrien exakt abgebildet werden, wird um die Bereiche des Fusing Agents gleichzeitig der „Detailing Agent“ aufgetragen – eine wärmehemmende Flüssigkeit. Diese isoliert das unbehandelte vom behandelten Pulver und schafft damit eine scharfe Trennung. Im Anschluss wird die nächste nur etwa 0,08 mm dünne Pulverschicht aufgetragen und der Prozess beginnt von vorne. Dadurch, dass das Druckobjekt Schicht für Schicht vollständig im Pulverbett entsteht, sind keinerlei Stützstrukturen wie bei anderen Druckverfahren erforderlich. Am Ende des Druckvorgangs werden die Teile aus dem Pulverbett gehoben und noch anhaftendes Pulver mittels Glasperlenstrahlen rückstandslos entfernt – eine weitere Nachbearbeitung ist nicht nötig. 

Welche Materialen werden verwendet? 

Bei Multi Jet Fusion verwenden wir Polyamid-Kunststoffe, die sich durch eine hohe Langzeitstabilität und mechanische Belastbarkeit auszeichnen. Im speziellen haben wir den hochwertigen thermoplastischen Kunststoff PA 12 im Einsatz. Charakteristisch für dieses Material ist – im Vergleich zum Polyjet-Verfahren – eine eher raue, aber gleichbleibende Oberfläche, die im Nachgang bei Bedarf eingefärbt werden kann.

Das Material PA 12 im Detail

  • Sehr robust 
  • Hohe Schlagfestigkeit 
  • Hohe Dauerfestigkeit 
  • Gute Chemikalienbeständigkeit 
  • Gute Gleiteigenschaften 

Für welche Bauteile eignet sich Multi Jet Fusion? 

Das MJF-Verfahren garantiert einen sehr hohen Detailgrad und exakte Geometrien, weswegen es neben der Prototypenherstellung auch hervorragend für die Herstellung funktionaler Bauteile in (Klein-)Serien geeignet ist. Die hohe Baugeschwindigkeit und relativ geringe Materialkosten machen Multi Jet Fusion zu einem kostengünstigen Verfahren bei gleichzeitig sehr hoher Qualität in Sachen Materialeigenschaft und Detailgrad. 

Multi Jet Fusion: 3D Druck auf Spritzguss-Niveau

Fazit: Multi Jet Fusion verlagert den Schwerpunkt des 3D Drucks von der Prototypenfertigung hin zur Serienproduktion von funktionalen Bauteilen. Die Objekt-Oberfläche ist rauer als beispielsweise bei Polyjet, kann aber noch nachbearbeitet werden. Durch das Pulverbett benötigen selbst komplexe Geometrien keine Stützstrukturen, wie sie bei anderen Druckverfahren nötig sind. In unserem Maschinenpark bei BAM haben wir für das MJF-Verfahren den HP Multi Jet Fusion 4210 im Einsatz.

Technische Details

  • Min. Bauteilgröße (H x B x T): 5 x 5 x 5 mm 
  • Max. Bauteilgröße (H x B x T): 380 x 284 x 380 mm 
  • Durchschnittliche Schichtdicke: 0,08 mm 
  • Toleranzen: +/- 0,3 mm 
  • Min. Wandstärke: 2,0 mm 
  • Min. Strukturgröße: 2,0 mm 
  • Losgrößen: 10 – 50 Stück 
  • Beste Dateiformate: STEP oder STL 
  • Lieferzeit: Versandfertig ab drei Werktagen 
Sabrina Hilburger

Sabrina Hilburger

Spezialistin additive Fertigung 

Die gelernte Zerspanungsmechanikerin Fachrichtung Frästechnik ist nach dreijähriger Erfahrung in der Zerspanung auf eigene Motivation hin in den 3D-Druck gewechselt. Seit 2019 ist sie bei der BAM GmbH im Bereich der additiven Fertigung verantwortlich für das Rüsten und Vorbereiten der Drucker, Machbarkeitsprüfungen von Kundenbauteilen, Materialberatung und Kalkulation. Voller Begeisterung widmet sie sich ihrem Ziel, die zahlreichen Möglichkeiten des 3D-Drucks noch transparenter zu machen und noch mehr Kunden von den Vorteilen der additiven Fertigung zu überzeugen.