Polyjet ist eines der präzisesten und variantenreichsten unter den 3D Druckverfahren. Natürlich hat es auch seine ganz speziellen Eigenschaften und ist geeignet für unterschiedliche Anwendungen. Nachdem ich euch bereits die Verfahren FDM und Multi Jet Fusion vorgestellt habe, zeige ich euch diesmal das Polyjet-Verfahren etwas genauer.

Hinter dem Begriff „Polyjet“ verbirgt sich der Einsatz von Photopolymeren, die mittels UV-Licht ausgehärtet werden. Das sogenannte „Material Jetting“ wurde 1999 patentiert und ist auch bekannt unter dem Begriff „Photopolymer Jetting“. Es ist eine Kombination der Inkjet-Technologie – wie wir sie bei normalen 2D Farbdruckern kennen – und dem Einsatz von flüssigen Kunstharzen. 

Wie funktioniert Polyjet? 

Bei diesem Verfahren trägt der Druckkopf aus hunderten Düsen kleine Tröpfchen aus flüssigen Photopolymeren auf die Bauplatte auf. Direkt am Druckkopf ist eine UV-Lichtquelle angebracht, die das flüssige Material nach dem Auftragen sofort aushärtet. Im Anschluss fährt die Bauplatte um die Dicke einer Schicht – einige tausendstel Millimeter – nach unten und der Druckkopf kann die nächste Schicht aufbringen. Weil das Material beim Aufbringen flüssig ist und vor dem Aushärten noch etwas zerläuft, sind im Vergleich zum FDM-Verfahren kaum Rillen erkennbar und die Objektoberfläche ist sehr glatt. Beim Druck eines einzigen Modells können unterschiedliche Materialien verwendet werden – von fest bis gummiartig in einem Bauteil – und es ist auch ein Vollfarbdruck möglich. Wie bei anderen Verfahren auch benötigen überhängende Geometrien eine Stützstruktur, die sich nach dem Druck vollständig entfernen lässt. 

Welche Materialen werden verwendet? 

Die Materialien beim Polyjet Verfahren sind haltbare und formbeständige Photopolymere, das sind bestimmte Kunstharze. Die Vielfalt dabei ist groß – von weichen und biegsamen Gummi-Strukturen bis zu harten, schleif- und polierbaren Oberflächen ist alles möglich. Polyjet ist dabei das einzige Verfahren, bei dem verschiedene Materialien schon während des Druckvorgangs kombiniert werden können.

Polyjet Materialien bei BAM 

  • Digital-ABS Plus 
  • Vero Clear 
  • Vero (7 Farben) 
  • Vero + Agilus30 für Shorehärten A30-A100 
  • Tango Plus 

Für welche Bauteile eignet sich Polyjet? 

Das Polyjet Verfahren ist die erste Wahl, wenn es um hohe Detailauflösung und glatte Oberflächen geht. Durch die sehr geringe Schichtdicke von nur wenigen tausendstel Millimetern kommt Polyjet in Sachen Oberflächeneigenschaften dem Spritzguss sehr nahe. Dadurch eignet es sich hervorragend für detaillierte Prototypen mit Endprodukt-Qualität, präzise Formwerkzeuge und Schablonen, Urformen, Montagevorrichtungen, Fertigungswerkzeuge und Objekte mit Materialkombinationen (z. B. fester Griff mit gummierter Oberfläche oder angedruckte Dichtungen). 

Polyjet: Hier bleiben keine Wünsche offen

Fazit: Das Polyjet-Verfahren spielt in Sachen Oberflächenqualität in der ersten Liga. Durch die Möglichkeit der Materialkombination und des Vollfarbdrucks ist es sehr flexibel einsetzbar und es werden sehr hochwertige Ergebnisse erzielt. Wir bei BAM haben den J750 von Stratasys im Einsatz, der unumstritten zur Königsklasse der Polyjet-Drucker gehört. 

Technische Details

  • Min. Bauteilgröße (H x B x T): 5 x 5 x 5 mm 
  • Max. Bauteilgröße (H x B x T): 480 x 380 x 190 mm 
  • Schichtdicke: 0,014 mm 
  • Toleranzen: +/- 0,1 mm 
  • Min. Wandstärke: 1,0 mm 
  • Min. Strukturgröße: 0,5 mm 
  • Losgrößen: 1 – 50 Stück 
  • Beste Dateiformate: STEP oder STL 
  • Lieferzeit: Versandfertig ab drei Werktagen 
Sabrina Hilburger

Sabrina Hilburger

Spezialistin additive Fertigung 

Die gelernte Zerspanungsmechanikerin Fachrichtung Frästechnik ist nach dreijähriger Erfahrung in der Zerspanung auf eigene Motivation hin in den 3D-Druck gewechselt. Seit 2019 ist sie bei der BAM GmbH im Bereich der additiven Fertigung verantwortlich für das Rüsten und Vorbereiten der Drucker, Machbarkeitsprüfungen von Kundenbauteilen, Materialberatung und Kalkulation. Voller Begeisterung widmet sie sich ihrem Ziel, die zahlreichen Möglichkeiten des 3D-Drucks noch transparenter zu machen und noch mehr Kunden von den Vorteilen der additiven Fertigung zu überzeugen.